Wo das Herz von Berlin schlägt

Berlin ist eine der größten Metropolen auf dieser Welt. Modern, einfallsreich und immer wieder neu – und dies jeden Tag 24 Stunden lang. Hier tobt das Leben und die Berliner versuchen, mit allen Veränderungen Schritt zu halten. Diese Stadt ist laut, bunt, hektisch und für Touristen manchmal auch ein wenig zu voll. Besonders mitten in der City, wo viele der Sehenswürdigkeiten von Berlin zu besichtigen sind, stapeln sich die Angebote für Besucher der Stadt und jeder möchte wenigstens einmal auf dem Fernsehturm gewesen sein oder vor dem Brandenburger Tor gestanden haben. Doch das wirkliche Berlin existiert ganz woanders….

Wen die glänzende Seite von Berlin eher langweilt und wer lieber in das wirkliche Leben dieser Stadt eintauchen möchte, der kommt nach Berlin – Neukölln. Dies ist ein Bezirk, in dem Armut und Ideenreichtum ganz dicht beieinander liegen. Als sozialer Brennpunkt der Stadt gilt besonders die Region um den Hermannplatz, die Sonnenallee, die Karl – Marx – Straße und die Schillerpromenade. Mit über 160 Nationalitäten ist Neukölln der wohl vielseitigste Bezirk, den es in Berlin gibt. Doch neben der Armut und Gewalt, welche dieser Region nachgesagt wird, existiert noch etwas ganz anderes…

Berlin Neukölln hat das, was anderen Teilen von dieser großen Metropole im Laufe der Zeit verloren gegangen ist – einen ganz besonderen Charme! Hier sind noch viele kleine Läden zu finden, in denen wirkliche Kunst neben altem Krempel steht. Alle 10 Meter ist mindestens ein Döner – Laden oder ein türkischer Bäcker angesiedelt. Kleine uralte Berliner Eck – Kneipen an fast jeder Ecke, Türkische Teestuben, jede Menge Wettlokale, Spielhallen, Nagelstudios und Cafes säumen die Bürgersteige. Restaurants und türkische, sowie arabische Bistros haben oft auch nachts geöffnet und laden besonders im Sommer ein, sich niederzulassen und ein interessantes Gespräch mit jemandem zu führen, der inmitten dieses Bezirkes lebt und vielleicht in so einer Nacht einfach nicht schlafen möchte.

Neben dem geschlossenen Flughafen Tempelhof, der mittlerweile von jedem beispielsweise zum Spazieren gehen, Inline – Skaten oder auch für ein Picknick im Sommer genutzt werden kann, sind viele der Einkaufsmöglichkeiten oder Treffpunkte für Einwohner und Besucher der Stadt angesiedelt. Auch die Kunst – und Kulturszene hat sich in Neukölln neu und vielseitig etabliert. Insider nutzen schon seit geraumer Zeit die Möglichkeit, sich dort niederzulassen oder unkonventionelle Aktionen in ungewöhnlichen Räumlichkeiten durchzuführen. Interessante Lesungen, Ausstellungen begabter, aber noch unbekannter Künstler oder Kino mit außergewöhnlichen Filmen in ganz privater und ungewöhnlicher Atmosphäre verleihen diesem Teil Neukölln´s ein ganz besonderes Flair.

Die Motorrad – Kneipe „Bierbaum“ in der Kienitzer Straße, Ecke Schillerpromenade ist ein ebenso außergewöhnlicher Treffpunkt und der türkische Wirt Abdul seit Jahren eine wirkliche Institution. Das Lokal hat 24 Stunden geöffnet und bietet Frühstück für 1,50 Euro mit gutem Kaffee, frischen Brötchen und Rockmusik aus den 70ger und 80ger Jahren. An den Wänden hängen alte Motorräder und die vielen Bilder sprechen für sich. Harley Fans, Akademiker, Straßenkünstler, Obdachlose oder einfach die Bewohner von nebenan – hier trifft man sich, um miteinander zu reden, zu feiern, Fußball zu sehen, gemeinsam am Motorrad zu schrauben, nachts ein Meeting für den nächsten Tag in der Firma vorzubereiten oder einem Touristen „Hallo“ zu sagen. Das wirkliche Berlin existiert in diesen Straßen, in den ungewöhnlichen Treffpunkten Neukölln´s und hier, in diesem Lokal – wo ein türkischer, tätowierter Wirt seine Leidenschaft für Motorräder und den deutschen Fußball in vollen Zügen auslebt und seine Gäste mit Respekt, absolut fairen Preisen und immer locker und freundschaftlich willkommen heißt. Hier schlägt das wirkliche Herz von Berlin und auch, wenn es manchmal ein wenig „schmuddelig“ wirkt, es ist weitaus lebendiger, als jede gestylte Sehenswürdigkeit in dieser Stadt.

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